8. November: Ein anderer Blick – Zeitzeuginnengespräch mit Rita Thomas

Zeitzeuginnengespräch (in Kooperation mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, RuT - Rad und Tat e.V., dem Spinnboden Lesbenarchiv und Bibliothek und dem Freund*innenkreis E2H e.V.)

 

Magnus Hirschfeld hatte sich zeit seines Lebens nicht nur für die Rechte schwuler Männer, sondern ebenso für alle anderen Menschen eingesetzt, deren sexuelle Orientierung und/oder geschlechtliche Identität nicht den heteronormativen Vorstellungen der Zeit entsprach. In heutiger Diktion würde man Hirschfeld durchaus als Streiter der Rechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und queere Personen (LSBTTIQ) bezeichnen können. Die BMH möchte sich daran anschließend in einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe mit den Lebenswelten von lesbischen Frauen in Berlin beschäftigen. Wie haben lesbische Frauen in Berlin gelebt? Welche Rolle spielte ihre sexuelle Identität für ihr Leben? Gab es ein Spannungsverhältnis zwischen dem Kampf um die Gleichberechtigung von Frauen und dem Kampf um Anerkennung als Lesben? Wie sind lesbische Frauen, die nicht politisch aktiv waren, mit ihrer geschlechtlichen Orientierung umgegangen? Wie haben sie das Verhältnis zu schwulen Männern empfunden? Wie haben sie sich organisiert und Netzwerke aufgebaut? Diese und viele weitere Fragen sollen in drei öffentlichen, moderierten Gesprächen mit lesbischen Frauen zur Sprache kommen. Denn lange Zeit standen das Schicksal und die Lebenswege lesbischer Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung im Schatten der Biografien schwuler Männer. So überaus erfreulich die beschlossene Rehabilitierung der nach 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilter Personen ist (zu denen im Übrigen auch einige Frauen gehören), so dringlicher scheint es gerade jetzt, die Lebenswege lesbischer Frauen nicht erneut aus dem Blick zu verlieren. Die mediale Konzentration auf die Biografien schwuler Männer erzeugt ein Ungleichgewicht, das den Erfahrungen lesbischer Frauen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität deutlich seltener als schwule Männer mit dem Strafrecht in Berührung kamen, nurmehr eine marginale Stellung zuweist. Andere rechtliche Bestimmungen – beispielsweise im Ehe- und Familienrecht – betrafen lesbische Frauen hingegen ungleich häufiger und zeitigten oftmals gravierende Konsequenzen für die Betroffenen. (In einem von der BMH unterstützten Forschungsprojekt zum Sorgerechtsentzug lesbischer Mütter beschäftigen wir uns auch mit solchen Fragen.)

Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, ein breites Publikum mit den unterschiedlichen Lebenswelten und Lebensgeschichten lesbischer Frauen bekannt zu machen. Jede der drei Biografien spiegelt dabei einen anderen Aspekt des Lebens in der Stadt Berlin wider. Rita Thomas, Christiane von Lengerke und Joanna Czapska haben Berlin aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt. Während Rita Thomas in Friedrichshain aufwuchs und Christiane von Lengerke im Westen Berlins lebte und beide die Teilung der Stadt miterlebten, entdeckte die in Warschau geborene Joanna Czapska Berlin erst in den 1980er Jahren. Wie haben lesbische Frauen mit so unterschiedlichen Biografien in den verschiedenen Berlins gelebt? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gab es im lesbischen Leben in Ost- und West-Berlin und wie wurde die Stadt von Zugewanderten wahrgenommen? Wir wollen in drei Abendgesprächen mit diesen Zeuginnen lesbischer Stadtgeschichte deren Biografien und Sichtweisen kennenlernen.

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